DFG-VK forciert Protest gegen die Rekrutierung unter 18-Jähriger

Das Bündnis DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft/Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen) ist eine der bekanntesten Organisationen, die sich gegen die Rekrutierung junger Menschen an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen durch die Bundeswehr einsetzen. In Zusammenarbeit mit dem Bündnis Kindersoldaten, dem Kinderhilfswerk „Terre Des Hommes“ und der Kindernothilfe hat die DFG-VK, der alleine in Nordrhein-Westfalen rund 25 Ortsgruppen unterhält, die Online-Petition „Stoppen Sie die Rekrutierung unter 18-Jähriger“ gestartet.

Unter der Webadresse www.unter18nie.de können Internetnutzer die Petition, die zu einem späteren Zeitpunkt an Verteidigungsministerin von der Leyen gesendet werden soll, unterzeichnen. Gefordert wird die Anhebung des Eintrittsalters auf 18 Jahre sowie die Beendigung jeglicher Anwerbeaktionen im Bereich der Kinder und Jugendlichen. Wie auf der Webseite zu lesen ist, planen die Initiatoren, den Appell persönlich an die Ministerin zu übergeben. Wann und unter welchen Umständen die Übergabe stattfinden soll, ist derzeit nicht bekannt. Bislang haben sich rund 1.600 Unterstützer gefunden.

Deutschland als schlechtes Beispiel

Noch nicht volljährig, aber schon eine Waffe in der Hand: In Deutschland ist möglich, was in den meisten anderen Ländern seit langer Zeit verpönt ist. Unter 17-Jährige werden gezielt angeworben, um sich in der Bundeswehr zu verpflichten – und das, obwohl der UN-Ausschuss für Kinderrechte die Bundesrepublik mehrfach ermahnt hat, den 18-Jahres-Standard einzuhalten. Das Pikante daran ist, dass Deutschland zu denjenigen Ländern gehört, die Staaten wie Somalia, Afghanistan oder Birma auffordern, keine unter 18-Jährigen mehr in den Militärdienst aufzunehmen. Solange die eigene Armee weiterhin unter 17-Jährige einstellt, wirken derartige Forderungen nicht nur unglaubwürdig, sondern auch in höchstem Maße zynisch.

Hohe Abbrecherquote

Obgleich die Bundeswehr Jahr für Jahr hohe Millionenbeträge in die Anwerbung junger Menschen investiert, sind die Erfolge bisher eher bescheiden. Neuesten Zahlen zufolge bricht mehr als die Hälfte der in den vergangenen vier Jahren eingestellten Minderjährigen den Dienst vorzeitig ab. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Manche Jugendlichen sind den körperlichen Anforderungen, die der Dienst an der Waffe mit sich bringt, schlichtweg nicht gewachsen. Andere steigen mit überzogenen Erwartungen, die nicht zuletzt durch Vorträge an den Schulen entstehen, in den Militärdienst ein und werden dann von der brutalen Realität eingeholt. Ältere Soldaten raten jungen Rekruten deshalb, zunächst eine Berufsausbildung zu absolvieren und dann zur Bundeswehr zu kommen.

Mehr als 1.500 minderjährige Rekruten pro Jahr

Laut DFG-VK steigt die Anzahl der minderjährigen Jungen und Mädchen, die sich von der Bundeswehr rekrutieren lassen, rapide an. Für das Jahr 2015 wird die Zahl der Neueinsteiger, die das 18. Lebensjahr zum Zeitpunkt des Eintritts noch nicht vollendet hatten, mit 1.515 angegeben. Bei der Bundeswehr werden sie an der Waffe sowie in verschiedenen Techniken der Kriegsführung ausgebildet. Simulierte Tötungen sind ebenfalls Bestandteil des Ausbildungsprogramms. Das Risiko, in Kriegsgebiete entsandt zu werden, ist vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage enorm hoch. Die DFG-VK bittet deshalb darum, die oben erwähnte Petition zu unterschreiben und großflächig weiterzugeben.

Rote Hand (zentrale Aktion des Deutschen Bündnis Kindersoldaten) fordert: Keine Bundeswehr an den Schulen:

Bildquelle: Screenshot http://unter18nie.de/

Bundeswehr-Rekrutierung an Schulen und Universitäten: Drohen amerikanische Verhältnisse?

In den Vereinigten Staaten ist es seit langer Zeit gang und gäbe, dass das Militär neue Angehörige gezielt in Schulen und Colleges rekrutiert. Das Perfide daran ist, dass die Verantwortlichen sich vornehmlich auf junge Erwachsene mit niedrigem Bildungsstand konzentrieren, bei denen der Weg in die Arbeitslosigkeit quasi vorgezeichnet ist. Die Army bietet etwas, das nahezu kein anderer Arbeitgeber in den USA bieten kann: Ein sicheres Gehalt. Aus diesem Grund treten Jahr für Jahr Tausende junge Männer und Frauen in die Armee ein, um dort als „verlängerter Arm“ der US-Politik zu dienen.

Auch in Deutschland ist das Militär an den Schulen präsent, um dort neue Soldaten und Soldatinnen anzuwerben. Die Methoden, die dabei angewandt werden, ähneln denen der US-Army – mit dem Unterschied, dass in Deutschland noch immer viele junge Menschen glauben, die Bundeswehr sei eine reine Verteidigungsarmee. In Wirklichkeit ist das deutsche Militär seit fast 20 Jahren in Erdregionen präsent, in denen Krieg herrscht. Diese unbequeme Wahrheit wird von den für die Rekrutierung verantwortlichen Offizieren jedoch gerne verschwiegen oder so verdreht, dass die Angesprochenen glauben, ihrem Land tatsächlich einen Dienst zu erweisen.

Kommt das „Begrüßungsgeld“ für Neueinsteiger?

Als Neueinsteiger genießt man beim amerikanischen Militär Privilegien, von denen Angehörige anderer Berufsgruppen nur träumen können. So hat man beispielsweise die Möglichkeit, sich bis zur Erlangung seines Schulabschlusses oder akademischen Grades zurückstellen zu lassen. Universitätsabsolventen werden gezielt mit einer Einstiegsprämie in Höhe von $20.000 angeworben. Hinzu kommt die Aussicht, mit einem höheren Dienstgrad eingestellt zu werden und so einige Stufen der militärischen Karriereleiter zu überspringen.

Ob der Bund plant, ein „Begrüßungsgeld“ nach amerikanischem Vorbild einzuführen, ist derzeit nicht bekannt. Abwegig erscheint dieses Szenario aber keineswegs. Klar ist, dass in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit und sinkenden Reallöhnen viele junge Menschen eine solche Prämie dankbar annehmen würden. Gerade in wirtschaftlich schwachen Regionen könnte eine Einstiegsprämie wie ein Magnet wirken und etliche Jugendliche dazu bringen, sich bei der Bundeswehr zu verpflichten.

Wer sich an einem Angriffskrieg beteiligt, handelt grundgesetzwidrig

Im Falle des amerikanischen Militärs, das zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht weniger als 14 (!) Kriege führt, sprechen die Fakten eine eindeutige Sprache: Jeder einzelne dieser Kriegseinsätze ist völkerrechtswidrig. Das wohl bekannteste Beispiel ist der dritte Golfkrieg, der im März 2003 mit der Bombardierung Bagdads begann und Hunderttausende Tote sowie unzählige Verletzte auf Seiten der Zivilbevölkerung forderte.

Im Unterschied zur amerikanischen Verfassung verbietet das Grundgesetz explizit die Vorbereitung eines Angriffskrieges, in den die Bundesrepublik Deutschland involviert sein soll. Da Deutschland als NATO-Mitglied fast permanent an Auslandseinsätzen beteiligt ist, müssen Rekruten jedoch damit rechnen, früher oder später in Kriegsgebiete entsandt zu werden. Somit handeln die Rekrutierungsoffiziere nicht nur grundgesetzwidrig, sondern auch moralisch verwerflich, da ihnen klar sein muss, dass ein Kriegseinsatz mit erheblichen Gefahren für Leib und Leben verbunden ist.

Eugen Drewermann über Bundeswehr-Werbung an Schulen:

Bildquelle: http://de.freeimages.com/photo/army-1309341

Antreten im Klassenzimmer: Wie die Bundeswehr an Schulen auf Personalsuche geht

Seit der Aussetzung der Wehrpflicht im Sommer 2011 ist die Bundeswehr an deutschen Bildungseinrichtungen so präsent wie nie zuvor. Alleine im Jahr 2014 fanden mehr als 8.000 Vorträge statt, die insgesamt fast 140.000 Schüler erreichten. Über Seminare und Podiumsdiskussionen wurden noch einmal 125.000 Jugendliche angesprochen. Die jährlichen Kosten für die Nachwuchswerbung werden vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ mit 29,9 Millionen Euro beziffert.

Die Bundeswehr als attraktiver Arbeitgeber

Das Militär ist bestrebt, sich an Schulen als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Die Argumente, mit denen die Rekrutierungsoffiziere junge Menschen für den Dienst an der Waffe gewinnen wollen, sind vielfältig. Den Schülern werden ein sicherer Arbeitsplatz und ein ansehnliches Gehalt in Aussicht gestellt; hinzu kommen gute Aufstiegsmöglichkeiten und eine breite Palette von Vergünstigungen. Zu nennen sind hier unter anderem eine preiswerte Kfz-Versicherung, eine kostenfreie truppenärztliche Versorgung sowie Mietzuschüsse und Gehaltsverdopplungen bei Auslandseinsätzen.

Gerade bei pubertierenden Jugendlichen, die ihr Weltbild in der Regel aus den Massenmedien beziehen, stoßen solche Argumente sehr häufig auf positive Resonanz. Bereits im Alter von 17 Jahren ein Gehalt zu kassieren, von dem man mehr als gut leben kann, ist in Zeiten eines labilen Arbeitsmarktes eine verlockende Perspektive. Dass sie sich mit ihrem Eintritt in die Bundeswehr zu Dienern einer menschenverachtenden Ideologie machen, ist den meisten Neu-Soldaten nicht klar.

Einseitige sicherheitspolitische Sichtweisen

Die in den schulischen Vorträgen vermittelten Sichtweisen lassen vielen Eltern, aber auch neutralen Beobachtern die Haare zu Berge stehen. Der verfassungsmäßige Verteidigungsbegriff wird so umgedeutet, wie es die jeweils aktuelle politische Agenda erfordert. Derzeit stehen vor allem die Sicherung von Handelswegen und Absatzmärkten im Mittelpunkt. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler hatte bereits im Jahr 2010 geäußert, dass Deutschland seine wirtschaftlichen Interessen notfalls auch mit militärischen Maßnahmen wahren müsse. Dieser Kurs, der von der überwältigenden Mehrheit der Deutschen abgelehnt wird, wurde seitdem rigoros fortgesetzt und stellt heute einen Grundpfeiler der deutschen Außenpolitik dar.

Breites Angebot an Lehrmitteln

Zur Veranschaulichung ihrer Ausführungen stellen die Offiziere den Schulen ein breit gefächertes Angebot an Informationsmaterialien zur Verfügung, die es in sich haben. Ein treffliches Beispiel ist ein Arbeitsblatt aus der Serie „Frieden und Sicherheit“ mit dem Titel „Wann ist Krieg erlaubt?“. Die Publikation beschäftigt sich hauptsächlich mit Argumenten für den Einsatz militärischer Gewalt – ganz nach dem Motto „ganz ohne Krieg geht es nicht“. Gewichtige Gründe, auf den Waffeneinsatz zu verzichten, werden nicht genannt. Dass der Militärdienst ein Berufsfeld ist, in dem man verletzt, traumatisiert oder sogar getötet werden kann – und gegebenenfalls auch selbst töten muss – wird in derartigen Infoblättern dagegen kaum vermittelt.

Ralf Willinger (Referent für Kinderrechte bei terre des hommes e.V.) über Minderjährige bei der Bundeswehr:

Bildquelle: http://de.freeimages.com/photo/soldier-and-child-1550984